1. Oktober 2026

Bargeld ist relevant – was die EU plant, was die EZB sagt und was das für die Schweiz bedeutet

Bargeld spielt neben anderen Zahlungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Menschen zahlen heute mit Bargeld, Karte oder Smartphone; gleichzeitig arbeiten die Europäische Union und die Europäische Zentralbank (EZB) daran, die Rolle von Bargeld auch in einer zunehmend digitalen Zahlungswelt zu sichern. Parallel dazu wird der digitale Euro vorbereitet.

Die EU will Bargeld besser schützen

Euro-Banknoten und -Münzen sind im Euroraum bereits heute gesetzliche Zahlungsmittel. Grundsätzlich muss Bargeld zur Bezahlung von Waren, Dienstleistungen und Schulden akzeptiert werden. Die EU arbeitet jedoch daran, diese Regeln genauer festzulegen und die Verfügbarkeit und Akzeptanz von Bargeld zu stärken.¹ Der Rat der EU hat im Dezember 2025 seine Position dazu beschlossen. Danach soll Bargeld grundsätzlich weiterhin akzeptiert werden. Gleichzeitig sind bestimmte Ausnahmen vorgesehen, beispielsweise bei Onlinekäufen oder an Verkaufsstellen ohne Personal. Die Mitgliedstaaten sollen zudem beobachten, ob Bargeld ausreichend verfügbar und akzeptiert wird, und bei Problemen Massnahmen ergreifen.² Auch das Europäische Parlament hat im Juli 2026 den Weg für Verhandlungen mit dem Rat freigemacht. Damit geht das Gesetzgebungsverfahren zum digitalen Euro und zum rechtlichen Status von Bargeld weiter.³

Was ist der digitale Euro?

Der digitale Euro soll eine digitale Form von Zentralbankgeld werden. Er würde von der Europäischen Zentralbank ausgegeben und könnte beispielsweise mit einem Smartphone oder einer Karte zum Bezahlen verwendet werden. Geplant ist, dass Zahlungen sowohl online als auch offline möglich sind. Der digitale Euro soll im gesamten Euroraum verwendet werden können und neben bestehenden Zahlungsmöglichkeiten wie Bankkarten bestehen.⁴ Wichtig ist: Der digitale Euro soll Bargeld nicht ersetzen. Die EU und die EZB behandeln beide Entwicklungen bewusst gemeinsam: Einerseits soll Bargeld als Zahlungsmittel geschützt werden, andererseits soll es künftig auch eine digitale Form von Zentralbankgeld geben.² ⁵ Die EZB hat erklärt, dass eine mögliche Ausgabe des digitalen Euro nach Abschluss der notwendigen Gesetzgebung erfolgen könnte. Als möglicher Zeitpunkt wird derzeit 2029 genannt.⁴

Was sagt die EZB zum Bargeld?

Die EZB unterstreicht die Bedeutung von Bargeld deutlich. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat sich 2026 ausdrücklich für den Erhalt von Bargeld ausgesprochen. Bargeld müsse verfügbar bleiben und seine Rolle als Zahlungsmittel behalten. Gleichzeitig sieht die EZB im digitalen Euro eine Ergänzung zum Bargeld.⁶ Auch EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone betonte im Juni 2026, dass die Menschen weiterhin frei entscheiden können sollen, ob sie mit Bargeld oder digital bezahlen. Die EZB unterstützt deshalb die geplanten Regeln, mit denen die Akzeptanz und Verfügbarkeit von Bargeld gesichert werden sollen.⁵ Im September 2026 wurde die Bedeutung von Bargeld erneut hervorgehoben. Die EZB bezeichnet Bargeld als wichtigen Bestandteil der europäischen Geldordnung. Bargeld und digitale Zahlungsmittel sollen deshalb nebeneinander bestehen.⁷

Und wie ist es in der Schweiz?

In der Schweiz hat Bargeld eine klare rechtliche Grundlage. Bei der Volksabstimmung vom 8. März 2026 wurde die Initiative «Bargeld ist Freiheit» abgelehnt, während der direkte Gegenentwurf zur Verankerung der Bargeldver-sorgung und des Frankens in der Bundesverfassung angenommen wurde. Das Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten liegt beim Bund. Die Ausgabe der Banknoten hat der Bund jedoch der Schweizerischen Nationalbank (SNB) übertragen. Die SNB besitzt damit das ausschliessliche Recht zur Ausgabe der Schweizer Banknoten. Die Münzen werden vom Bund geprägt und von der SNB im Auftrag des Bundes verteilt.⁸ 9 10 Banknoten und Münzen sind in der Schweiz gesetzliche Zahlungsmittel. Schweizer Banknoten und Münzen müssen grundsätzlich angenommen werden. Allerdings kann vertraglich etwas anderes vereinbart werden.⁹ 10 Damit verfügt auch die Schweiz über einen rechtlichen Rahmen, der die Funktion von Bargeld als Zahlungsmittel festlegt. Die Regelungen sind jedoch nicht identisch mit den derzeit geplanten EU-Vorschriften.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Entwicklung in Europa zeigt vor allem eines: Digitales Bezahlen und Bargeld werden nicht als Gegensätze betrachtet. Die EU will den Zugang zu Bargeld und seine Akzeptanz sichern. Die EZB arbeitet gleichzeitig an einem digitalen Euro und an der Weiterentwicklung der Euro-Banknoten. Für die Menschen bedeutet das: Auch wenn Bezahlen zunehmend digital wird, soll die Möglichkeit, mit Bargeld zu bezahlen, erhalten bleiben.

Kurz gesagt

EU: Bargeld soll weiterhin verfügbar und grundsätzlich akzeptiert bleiben. Gleichzeitig wird der digitale Euro vorbereitet.¹ ² ³

EZB: Bargeld bleibt wichtig. Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die Bedeutung von Bargeld betont.⁵ ⁶ ⁷

Digitaler Euro: Er soll digitales Zentralbankgeld werden, das online und offline genutzt werden kann. Eine mögliche Einführung wird derzeit ab 2029 erwartet – vorausgesetzt, die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen werden geschaffen.⁴

Schweiz: Bargeld hat weiterhin eine klare rechtliche Grundlage. In der Volksabstimmung vom 8. März 2026 wurde der direkte Gegenentwurf zur Verankerung der Bargeldversorgung und des Frankens in der Bundesverfassung angenommen. Banknoten und Münzen sind gesetzliche Zahlungsmittel.⁸ ⁹ ¹⁰

Quellen:

¹ Europäische Kommission – Der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel

² Rat der EU – Stärkung der Rolle von Bargeld und digitaler Euro

³ Europäisches Parlament – Digitaler Euro: EU-Abgeordnete bereit für Verhandlungen, 9. Juli 2026

⁴ EZB – Informationen zum digitalen Euro

⁵ EZB – Piero Cipollone, 3. Juni 2026: Europe’s money evolves so people’s freedom to pay remains

⁶ EZB – Christine Lagarde, 15. Juni 2026: Money in transition

⁷ EZB – The future of euro cash, 14. September 2026

⁸ Bundesverfassung, Art. 99 – Fedlex

⁹ SNB – Fragen und Antworten zu den Banknoten

¹⁰ SNB – Fragen und Antworten zu den Münzen

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